Steuerliche Behandlung von Landwirtschafts- und Bauland

Bis zum 2. Dezember 2011 wurde bei landwirtschaftlich bewirtschaftetem Land, wenn es vom Geschäftsvermögen ins Privatvermögen überführt wurde oder beim Verkauf, höchstens die Differenz zwischen Buchwert und Anschaffungskosten besteuert. Das heisst,

es wurden auf dem Land höchstens früher vorgenommene Abschreibungen wieder mit den Einkommenssteuern und den Sozialabgaben erfasst.

Am 2. Dezember 2011 entschied das Bundesgericht in einem wegweisenden Urteil, dass bei nicht mehr dem Bäuerlichen Bodenrecht (BGBB) unterstelltem Bauland, wie im Gewerbe üblich, die Differenz zwischen Buchwert und Verkehrswert bei der direkten Bundessteuer als Einkommen erfasst wird. Dies hat zur Folge, dass bei einer Überführung ins Privatvermögen dieser buchhalterische Kapitalgewinn auch für die Sozialversicherungen (AHV) massgeblich ist und somit ebenfalls mit etwa 10 % belastet wird.

Auch hat das Bundesgericht genauer definiert, wann die privilegierte Besteuerung noch angewendet werden darf. Es ist dies nur noch möglich, wenn die für die Anwendung des BGBB gültigen Voraussetzungen erfüllt sind. Das ist gemäss Bundesgericht dann der Fall, wenn es sich um einzelne oder zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe gehörende Grundstücke handelt, die ausserhalb einer Bauzone nach Raumplanungsgesetz (RPG) liegen und für welche die landwirtschaftliche Nutzung zulässig ist. Darüber hinaus gelten  vier weitere spezifisch genannte Fälle als steuerlich privilegierte Grundstücke:

Grundstücke und Grundstücksteile mit landwirtschaftlichen Gebäuden und Anlagen, einschliesslich angemessenem Umschwung, die in einer Bauzone liegen und zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe gehören;

Waldgrundstücke, die zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe gehören;

Grundstücke, die teilweise innerhalb einer Bauzone liegen, solange sie nicht entsprechend den Nutzungszonen aufgeteilt sind;

Grundstücke mit gemischter Nutzung, die nicht in einen landwirtschaftlichen und einen nichtlandwirtschaftlichen Teil aufgeteilt sind.

Für ein unüberbautes und vollumfänglich in einer Bauzone gelegenes Grundstück, welches aber nicht angemessenen Umschwung eines Grundstücks mit landwirtschaftlichen Gebäuden und Anlagen bildet, kann die privilegierte Ausnahmeregelung nicht zur Anwendung kommen. Die fehlende Überbauung schliesst die steuerliche Privilegierung von vornherein aus, ohne dass überhaupt noch zu prüfen wäre, ob das Grundstück landwirtschaftlich genutzt wird und zu einem landwirtschaftlichen Gewerbe gehört.

Am 17. Juli 2013 gab nun die Eidgenössische Steuerverwaltung ein Kreisschreiben heraus, in welchem dargelegt wird, wie alle noch nicht definitiv veranlagten Steuerfälle behandelt werden.

Gemäss unseren aktuellsten Berechnungen muss bei einer Überführung von Bauland mit einer Belastung (Einkommensteuern und Sozialversicherungsabgaben) von mindestens 20 Prozent ausgegangen werden. Jede Zweckentfremdung, d.h. Wegfall der Landwirtschaftlichen Nutzung, löst die ergänzende Vermögenssteuer aus. Dabei wird die Differenz von Ertragswert zu Verkehrswert für max. 20 Jahre eingefordert. Bei einem Verkauf ist zusätzlich die Grundstückgewinnsteuer mit zu berücksichtigen.

Im Kanton Zürich kann das Total der Abgaben, Steuern und Sozialversicherungen - bei 40 bis 50 %  -liegen. Ab Alter 55 und bei gleichzeitiger Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit fallen die Steuern tiefer aus. Ebenfalls wirken sich die Höhe des landwirtschaftlichen Einkommens, die Einzahlungen in die Vorsorge und allfällige Abschreibungen auf dem betreffenden Grundstück auf die Höhe der Abgaben aus.

Im März 2012 reichte Nationalrat Leo Müller eine Motion im Nationalrat ein, welche zum  Ziel hat, die bisherige Praxis wieder herzustellen. Der Bundesrat lehnte das Begehren ab. Am 16. September 2013 nahm der Nationalrat die Motion jedoch an. Nun wird sich der Ständerat an einer nächsten Sitzung mit dieser Motion befassen.

Wir empfehlen zum jetzigen Zeitpunkt, keine Verkäufe oder Überführungen von Baulandgrundstücken vom Geschäftsvermögen ins  Privatvermögen durchzuführen.

Warten Sie wenn möglich ab, bis über diese Motion entschieden wurde.

Für den Vermögenssteuerwert in der Steuererklärung bleibt die landwirtschaftliche. Nutzung nach wie vor bestimmend. Das heisst, ein Grundstück in der Bauzone mit eindeutiger landwirtschaftlicher. Nutzung kann weiterhin zum Ertragswert besteuert werden.

AGRO-Treuhand Region Zürich AG

Hans Ulrich Sturzenegger