Neues Rechnungslegungsgesetz 

Der Bundesrat hat auf den 01.01.2013 das neue Rechnungslegungsgesetz in Kraft gesetzt. Dieses Gesetz hat eine Übergangsfrist von zwei bzw. für einige Artikel drei Jahre. Was hat dieses Gesetz für eine Relevanz für die Landwirtschaft?

Eine sehr grosse! Bisher musste ein einfacher Landwirt einzig für die Steuern eine Aufzeichnungspflicht wahrnehmen. Dies hat sich geändert. Das neue Gesetz ist nicht nur Rechtsform unabhängig sondern auch nicht mehr nur für die kaufmännisch geführten Gewerbe verbindlich. Im neuen Obligationenrecht ist in Artikel 957 definiert, wer der Pflicht zur Buchführung und Rechnungslegung unterliegt:

 

Einzelunternehmen und Personengesellschaften, die einen Umsatzerlös von mindestens 500‘000 Franken im letzen Geschäftsjahr erzielt haben;

 

Juristische Personen

 

Lediglich über die Einnahmen und Ausgaben (Milchbüchleinrechnung) sowie über die Vermögenslage Buch führen müssen:

 

Einzelunternehmen und Personengesellschaften, die einen Umsatzerlös mit weniger als 500‘000 Franken im letzen Geschäftsjahr erzielt haben;

 

Vereine und Stiftungen, die nicht verpflichtet sind, sich ins Handelsregister einzutragen;

 

Stiftungen, die keine Revisionsstelle brauchen.

 

Für diese Unternehmungen gelten jedoch die Grundsätze der ordnungsmässigen Buchführung sinngemäss.

 

Was meint der Gesetzgeber mit Umsatzerlös? Als Umsatzerlös gelten alle Nettoeinnahmen aus Produkteverkäufen und Arbeiten (exkl. MWST) zuzüglich sämtlichen Subventionen (Direktzahlungen, Zollrückerstattungen…) und Finanzerträgen. Auch Erträge aus Liegenschaftsvermietungen sind mitzuberücksichtigen.

 

Buchführung

 

Die Grundsätze der ordnungsmässigen Buchführung sind:

 

die vollständige, wahrheitsgetreue und systematische Erfassung der Geschäftsvorfälle und Sachverhalte;

 

der Belegnachweis für die einzelnen Buchungsvorgänge;

 

die Klarheit;

 

die Zweckmässigkeit mit Blick auf die Art und Grösse des Unternehmens;

 

die Nachprüfbarkeit.

 

Als Buchungsbeleg gelten alle schriftlichen Aufzeichnungen auf Papier, in elektronischer oder vergleichbarer Form. Die Buchhaltung ist in der Landeswährung oder einer für die Geschäftstätigkeit wesentlichen Währung zu führen. Auch hat sie in einer Landessprache oder in Englisch zu erfolgen.

 

Rechnungslegung

 

Die Rechnungslegung soll die wirtschaftliche Lage der Unternehmung so darstellen, dass sich Dritte ein zuverlässiges Urteil bilden können. Sie erfolgt im Geschäftsbericht und enthält die Jahresrechnung, welche sich aus der Bilanz, Erfolgsrechnung und dem Anhang zusammensetzt. Für Einzelunternehmungen und Personengesellschaften ist der Anhang freiwillig.

 

Auch ist neu geregelt, wie die Aktiven und Passiven bilanziert werden müssten. Ebenfalls ist eine Mindestgliederung für Bilanz und Erfolgsrechnung sowie Anhang definiert. Spätestens ab 1.1.2015 ist für alle grösseren Betriebe (über Fr. 500‘000 Umsatzerlös), die eigene Rechnungslegung dem  neuen Gesetz anzupassen. Daher sollten Sie schon jetzt allfällige Änderungen planen.

 

Aber auch die kleineren Betriebe sollten sich mit den Neuerungen vertraut machen oder sich mit dem Treuhänder unterhalten.

 

AGRO-Treuhand Region Zürich AG

 

Hans Ulrich Sturzenegger