Das jährliche Inventar, eine lästige Angelegenheit?

„…..sisch öppe glich wie immer“; so tönt es oft auf die Frage des Treuhänders nach Vorräten, Tieren, offenen Rechnungen oder Guthaben zum Ende des Buchhaltungsjahres. In vielen Fällen trifft dies auch zu, insbesondere wenn es keine grösseren Veränderungen in den Betriebszweigen und spezifischen Verhaltensweisen im zurückliegenden Jahr gegeben hat.

Trotzdem lohnt es sich auch in diesen Fällen ein Blick auf die Zahlen und Angaben im Inventarheft zu werfen. Vielleicht sind die immer gleichen Angaben seit Jahren nicht mehr korrekt und bedürfen einer Anpassung. Der Landwirt sollte dies mit seinem Buchhalter besprechen, vielleicht gibt es ja auch Gründe warum die Angaben des Inventars nicht (mehr) mit den aktuellen Verhältnissen auf dem Betrieb übereinstimmen.

Daneben gibt es jedoch viele Betriebe für die es von Vorteil ist, dass das Inventar möglichst genau aufgenommen wird. Dies nicht nur weil es eine ordnungsgemässe Buchhaltung verlangt, sondern weil das landwirtschaftliche Einkommen dadurch wesentlich aktueller und realistischer wiedergegeben wird und auch zum tatsächlichen Landwirtschaftsjahr passt. Dazu ein paar Beispiele und Erläuterungen für die einzelnen Bereiche des Inventarheftes.

Selbstproduzierte und zugekaufte Vorräte
Für die Vorräte an Dürrfutter am Stock oder Silage im Silo reicht eine möglichst genaue Schätzung der Mengen in m3. Die Anzahl von Ballen diverser Grundfuttermittel lässt sich durch Zählen leicht ermitteln. Wurden die selbstproduzierten Vorräte einmal exakt aufgenommen reicht in den Folgejahren möglicherweise auch die Feststellung, dass es wesentlich mehr oder weniger als im Vorjahr ist um die aktuelle Menge entsprechend einzuschätzen. Werden aber zum Beispiel erstmals grosse Mengen an Futterweizen ans Getreidelager bei der Mühle genommen und nicht als Brotgetreide verkauft, so ist dies im Inventar zu berücksichtigen. Andernfalls ist das Einkommen auf Grund fehlender Weizenerträge im aktuellen Jahr zu tief ausgewiesen und im kommenden Jahr zu hoch weil das Milchviehfutter entsprechend tiefere Kosten verursacht. Wird dann gleichzeitig wieder Brotweizen angebaut und verkauft verdoppeln sich die Einkommensunterschiede, entsprechende grosse Einkommensschwankungen sind vorprogrammiert.
Bei den zugekauften Vorräten ist das typische Beispiel die Düngerrechnung aus dem Frühbezug. Mal wird diese noch im Dezember bezahlt, mal erst im Januar des Folgejahres. Im extremen Fall sind in einem Jahr zwei und im folgenden Jahr keine bezahlten Düngerrechnungen ausgewiesen. Um dafür den Ausgleich zu schaffen ist der im Dezember bezahlte Dünger als Vorrat anzugeben oder, für Dünger der im Dezember auf den Hof geliefert wurde, ist ein Kreditor (offene Rechnung) zu verbuchen, sofern dieser Dünger auf der Vorratsliste aufgeführt ist.

Tierbestand
In kleinen oder mittleren Milchwirtschaftsbetrieben ist es in der Regel durchaus möglich, dass die Tierbestände zu den jeweiligen Bilanzstichtagen sehr ähnlich sind. Ganz anders sieht die Situation jedoch auf grösseren Mastbetrieben aus, egal ob Kälber, Muni, Schweine oder Poulet gemästet werden. Dabei geht es nicht nur um die Anzahl Tiere, sondern auch um Gewichtskategorien und deren Bewertung pro kg Lebendgewicht. Zum einkommenswirksamen Umsatz gehört eben nicht nur der Erlös aus den verkauften Tieren sondern auch die noch im Stall stehenden summierten Tageszunahmen. Dazu zwei Beispiele: Werden im November/Dezember 20 % des Munibestandes zur Schlachtung verkauft und gleichzeitig entsprechend Kälber zugekauft ist es schon wesentlich, dass der Tierbestand nicht nur nach Anzahl sondern auch nach Gewichtskategorie zum Jahresende erfasst und bewertet wird. Ebenso kann ein nicht aufgeführtes Guthaben aus dem Verkauf einer Pouletmastgruppe schon mal das Einkommen um Fr. 30‘000.- zu tief ausweisen, es sei denn die Mastgruppe wird, was jedoch nicht ganz korrekt ist, im Tierbestand weiter aufgeführt.

Guthaben und offene Rechnungen
Viele Landwirte arbeiten in diversen Bereichen zusammen. Unter dem Jahr wird hoffentlich alles möglichst genau aufgeschrieben, denn Zeit zum gegenseitigen Abrechnen gibt es meist erst im Dezember des laufenden Jahres oder sogar erst im folgenden Jahr. Handelt es sich dabei nur um kleinere Beträge die man sich gegenseitig schuldet, ist auch der Einfluss auf das landwirtschaftliche Einkommen tief, vielleicht sogar vernachlässigbar. Oft geht es dabei jedoch um Beträge im 4-stelligen Bereich (zum Beispiel Mähdrescherrechnung mit Futterverkauf verrechnet). Kommt dann noch dazu, dass der Geldfluss einmal noch im Dezember und ein anderes Mal erst im Januar des folgenden Jahres stattfindet kann sich daraus ein erhebliches Auf und Ab beim landwirtschaftlichen Einkommen ergeben. Nicht in jedem Fall erkennt der Treuhänder, dass es noch Guthaben oder offene Rechnungen geben sollte, er ist dabei auf die Mitarbeit des Landwirts angewiesen.

Resümee
Ein möglichst vollständiges Inventar über Viehhabe, Vorräte, Guthaben und offenen Rechnungen führen nicht nur für den Landwirt zu einem besseres Abbild des effektiven Jahreserfolgs, sondern erleichtern es auch dem Treuhänder ein über Jahre möglichst ausgeglichenes Einkommen über konstante steuerliche Optimierungen auszuweisen. Andernfalls passiert es, dass einmal 30 % Abschreibungen und im Folgejahr nur 5 % Abschreibungen vorgenommen werden müssen, ganz davon abgesehen, dass nicht jeder Kanton derartige Wechsel bei der Höhe der Abschreibungssätze zulässt.
Deshalb: Nutzen Sie das Inventarheft und nehmen Sie sich die Zeit Ihre Bestände aufzunehmen sowie Guthaben und ausstehende Rechnungen zu notieren, Ihr Treuhänder freut sich darüber.



Autor: Hans Granacher
Datum: 25.01.2013