Grundsätze einer ordnungsgemässen Finanzbuchhaltung

Mit der Einführung der Aufzeichnungspflicht für alle Landwirtschaftsbetriebe zu Beginn der 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts war für alle Landwirte der Zeitpunkt gekommen sich mit einer umfangreicheren Aufzeichnung der Geschäftsergebnisse zu befassen oder diese von einer externen Stelle verarbeiten zu lassen.

Vorbei waren die Zeiten von vereinfachten Aufzeichnungen für die Steuern oder die Punktierung und Berechnung des landwirtschaftlichen Einkommens über ha-Ansätze.

Die Grundsätze dazu finden sich im Obligationenrecht. An dieser Stelle sollen die Artikel 958 und 959 des OR näher beleuchtet werden.

Art. 958, Bilanzpflicht 1
Wer zur Führung von Geschäftsbüchern verpflichtet ist, hat bei Eröffnung des Geschäftsbetriebes ein Inventar und eine Bilanz und auf Schluss eines jeden Geschäftsjahres ein Inventar, eine Betriebsrechnung und eine Bilanz aufzustellen. 2 Inventar, Betriebsrechnung und Bilanz sind innerhalb einer dem ordnungsmässigen Geschäftsgang entsprechenden Frist abzuschliessen

Art. 959, Bilanzgrundsätze
Bilanzwahrheit und -klarheit
Betriebsrechnung und Jahresbilanz sind nach allgemein anerkannten kaufmännischen Grundsätzen vollständig, klar und übersichtlich aufzustellen, damit die Beteiligten einen möglichst sicheren Einblick in die wirtschaftliche Lage des Geschäftes erhalten. 

Der Artikel 958 zeigt auf aus welchen Teilen die Geschäftsbücher zu bestehen haben und, dass diese nach einer entsprechenden Frist abzuschliessen sind. Die Frist ergibt sich für den Landwirt in der Regel aus der Pflicht zur Einreichung der Steuererklärung die im Kanton Zürich für selbstständig Erwerbende auf den 30.09. des jeweiligen Jahres festgesetzt ist. Eine Verlängerung dieser Frist ist mit einer ausreichenden Begründung möglich.

Der Artikel 959 beschreibt Grundsätze nach denen die Betriebsrechnung und die Jahresbilanz zu erstellen sind. Dazu kurze Erläuterungen zu den Begriffen „vollständig“, „klar“ und „übersichtlich“.

- Vollständigkeit der Jahresrechnung
Die Jahresrechnung muss alle Geschäftsfälle enthalten, dies gilt nicht nur für die Aufwandseite sondern auch für die Ertragsseite und gilt selbstverständlich auch für den Bargeldverkehr. Zur Vollständigkeit zählt auch die Periodengerechtigkeit. Das heisst, alle das Rechnungsjahr betreffenden Aufwendungen und Erträge sind diesem auch zuzuordnen. Diesem Grundsatz wird unter anderem durch die Abgrenzungsbuchungen (Debitoren, Kreditoren, transitorische Aktiven und Passiven usw.) Rechnung getragen.

- Klarheit und Übersichtlichkeit der Angaben
Die Jahresrechnung muss klar und übersichtlich gestaltet sein. Unterschiedliche Positionen dürfen nicht zusammengefasst sein. Als Beispiel sei genannt die Trennung von Lohnkosten und Maschinenkosten oder die Trennung von Milchertrag und Tierverkäufen. Es bedeutet auch, dass Gleiches jedes Jahr im selben Ertrags- oder Aufwandkonto verbucht wird, grundsätzlich ist der einmal gewählte Kontenplan für die Bilanz wie auch die Erfolgsrechnung beizubehalten, es sei denn neue Geschäftsfelder machen Ergänzungen im Kontenplan erforderlich. Der Leser der Jahresrechnung muss einen guten Ein- und Überblick in die Geschäftstätigkeit und den Erfolg des Unternehmens erhalten.

Die Artikel 958 und 959 OR (wie auch weitere) gelten nicht nur für die Mitarbeiter einer Treuhandstelle sondern auch für jene die mittels eines Buchhaltungsprogramms selbst buchen oder die Buchhaltung sogar selbst abschliessen. Es ist dabei von Vorteil wenn Bäuerin oder Bauer regelmässig (zum Beispiel monatlich) ihre Buchhaltung aktualisieren. Alle anderen sollten mindestens einmal im Monat die grosse Schachtel leeren und die Belege und Quittungen einordnen. Dies kann sinnvollerweise zusammen mit dem Begleichen der Rechnungen oder dem Prüfen des monatlichen Kontoauszuges der Bank erledigt werden. Dabei führt man sich auch regelmässig noch einmal vor Augen; „wo kommt das Geld her und vor allem wo geht es (fast) alles wieder hin“.

Das Einhalten der Grundsätze dient keinesfalls lediglich dem Selbstzweck des Buchhalters, sondern hat durchaus auch eine weitreichendere Bedeutung.
Als erstes dient es dem Unternehmer/Landwirt selbst, wenn seine Zahlen mit den Vorjahren direkt vergleichbar sind und nicht erst Zwischenrechnungen vorgenommen werden müssen weil zum Beispiel das Saatgut immer an einem anderen Ort verbucht wird. Denn selbst eine „simple“ Finanzbuchhaltung kann dem Landwirt als Entscheidungs- und Planungsinstrument dienen, wenn oben erwähnten Grundsätze möglichst immer und vollständig eingehalten werden.
Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung einer ordnungsgemässen Buchhaltung, wenn diese Geldgebern, wie zum Beispiel der landwirtschaftlichen Kreditkasse oder Banken zwecks Bewilligung von Darlehen, vorgelegt werden muss. Diese wissen es sehr wohl zu schätzen, wenn erkennbar ist, dass buchhalterische Grundregeln eingehalten wurden. In der Folge ist das Vertrauen nicht nur in die Buchhaltung sondern auch in den Antragsteller hoch, was sich wiederum auf die Erfüllung der Kreditwünsche positiv auswirken wird. Zusätzlich ist der Geldgeber in der Lage die Kreditwürdigkeit anhand bestimmter Kennzahlen der Jahresrechnung einzuschätzen. So dient, unter anderem, die jeweilige Jahresrechnung der Zürcher landwirtschaftlichen Kreditkasse zur Erstellung eines jährlichen Ratings für jeden landwirtschaftlichen Betrieb der ein zinsloses Darlehen beantragt oder bereits erhalten hat.

Ihre Treuhandstelle ist besorgt, dass die Regeln eingehalten werden und trotzdem noch Steueroptimierungen möglich sind. Allen die Ihre Jahresrechnung und Steuererklärung selbst erledigen, können diese Ausführungen als Denkanstoss beim Abschluss der nächsten Jahresrechnung dienen.

Bei Fragen steht Ihnen das Team der AGRO-Treuhand Region Zürich AG gerne beratend zur Seite.


Autor: Hans Granacher
Datum: 09.11.2012