Jahresabschluss - das Inventar

Am Beginn eines neuen Jahres ist es wieder Zeit, ein Inventar für den Jahresabschluss der Buchhaltung aufzunehmen. Nebst dem Führen des Kassabuchs ist der Unternehmer verpflichtet, jährlich ein Inventar zu erstellen und dieses unterzeichnet für 10 Jahre aufzubewahren.

Das Inventar bildet die Grundlage des Buchhaltungsabschlusses. Hier sind alle Vermögenswerte und Schulden ausführlich und detailliert aufgelistet. Der wichtigste Grundsatz ist die vorsichtige und wahrheitsgetreue Bewertung.

Warum ist eine exakte Inventaraufnahme so wichtig?
Durch die genaue Auflistung der vorhandenen Vermögenswerte ergibt sich ein zeitnahes und realistisches Bild über die wirtschaftliche Situation eines Betriebs. So ist die Inventaraufnahme nicht nur eine lästige Pflicht, sondern auch ein sehr wichtiger Barometer der finanziellen Veränderungen, die anhand von Kassabucheinträgen und Bankbelegen kaum wahrgenommen werden können.

Wie fülle ich den Inventarbogen aus?
Guthaben
Hier muss überlegt werden, ob noch Einnahmen aus Milch- Getreide- und Zuckerrübenlieferungen zu erwarten sind. Auch Forderungen für Arbeiten für Dritte (Jauche ausbringen, Mähdreschen für den Nachbarn etc.) dürfen nicht vergessen werden.

Offene Rechnungen
Grössere und kleinere Beträge für Warenkäufe und Dienstleistungen, welche per Ende Jahr noch nicht bezahlt sind, müssen aufgezeichnet werden. So sind die Kosten dem entsprechenden Jahr zugeordnet und der Erfolg kann exakter ermittelt werden.
Private Rechnungen für Arzt, Zahnarzt oder Handykosten der Kinder etc. gehören nicht ins betriebliche Inventar.

Gegenseitige Verrechnungen
Hier geht es um das gegenseitige Verrechnen und Gutschreiben von Lieferungen und Leistungen. Oftmals wird dann lediglich der Endbetrag einer solchen Abrechnung im Inventar als Guthaben oder Schuld aufgenommen. Die dazugehörige Abrechnung muss jedoch im Detail erfasst werden, damit Einnahmen aus Arbeiten für Dritte, Verkauf von Futtermitteln oder Tieren und auf der anderen Seite, Bezüge von Dienstleistungen (Arbeiten von Dritten), eventuelle Warenbezüge etc. als Ausgaben verbucht werden können.

Selbst produzierte und zugekaufte Vorräte
Bei den Vorräten an Heu, Stroh und Silage genügt eine möglichst genaue Schätzung in m3 der noch vorhandenen Mengen. Die Anzahl Ballen kann durch Zählen leicht festgestellt werden. Wurden diese Werte einmal exakt aufgenommen, kann in den Folgejahren lediglich eine grössere Zu-oder Abnahme ermittelt werden.
Futtermittel und andere Vorräte, welche dazugekauft wurden und noch nicht verbraucht sind, müssen sorgfältig erfasst werden. Dies gilt insbesondere für Spritz-und Düngemittel, Diesel, Heizöl und Holzvorräte. Die anteilsmässigen Kosten dafür werden somit nicht dem aktuellen Geschäftsjahr belastet, sondern sind damit dem Aufwandkonto gutgeschrieben.

Tierbestand
Die Anzahl Kühe, Rinder und Kälber ist bei kleineren oder mittleren Betrieben oftmals gleichbleibend und können aus der TVD entnommen werden. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Bestandsaufnahme in einem Mastbetrieb. Der wertmässige Unterschied von Jungtieren zu schlachtreifen Tieren ist zu berücksichtigen, denn die Preisdifferenz kann hier beträchtlich sein und den Jahresgewinn entscheidend beeinflussen.

Landwirtschaftliche Maschinen- und Fahrzeuge
Überprüfen Sie bitte am Jahresende auch diese Aufstellung. Sind die aufgeführten Fahrzeuge und Maschinen noch in Betrieb oder bereits längst verschrottet? Bei Neukäufen sollte auch stets ans Ausbuchen der an Zahlung gegebenen Maschinen und Fahrzeuge gedacht werden.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen hiermit ein paar nützliche Anregungen und Tipps vermitteln und wünsche Ihnen gutes Gelingen beim Ausfüllen des neuen Inventars für 2016.

AGRO Treuhand Region Zürich AG

Beata Winzeler